Was vergessen wird:

Dieser Text wurde von uns erstmals Anfang 2020 veröffentlicht.

Von oben kann #Aachen so schön aussehen! Bei diesem schönen Ausblick kann leicht etwas passieren, was bei vielen lokalpolitischen Diskussionen auch passiert: Es wird vergessen, dass das Leben unten auf der Straße mit vielen Problemen verbunden ist!

Es wird vergessen, dass die Region Aachen eine der ärmsten Deutschlands ist!Laut einer aktuellen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln liegt hier nicht nur das Einkommen der Menschen deutlich unter dem Bundesschnitt, sondern auch die Kaufkraft. Bundesweit liegt die Städteregion bei der „Kaufkraftarmut“ laut IW an zwölftletzter Stelle. 18,6% der Menschen in der Städteregion sind arm.In Aachen, Eschweiler oder Stolberg zusammen lebt seit Jahren jedes vierte Kind in Armut.

Dazu kommt, das Aachen zu den fünf Städten gehört, in denen die Mieten am schnellsten steigen. Das passiert besonders stark in den Vierteln, in denen die Mieten bisher noch billig waren wie z.B. in Preuswald, Forst oder am Kronenberg.Schon jetzt müssen 46 % aller Menschen mehr als die empfohlenen 30% des Einkommens für die Miete bezahlen. Für knapp 3500 Familien fehlen im Moment bezahlbare Wohnungen. Bis 2035 werden es aktuellen Schätzungen nach 10.000 fehlende Wohnungen sein. Während der Bedarf stark steigt fallen gleichzeitig fast 5000 Sozialwohnungen aus ihrer Sozialbindung bis 2027. Für dieses Problem gibt es bisher keine andere Antwort der Politik als die Quote von Sozialwohnungen bei Neubauten von 30% auf 40% zu erhöhen. Dabei ist Bauland für Neubauten kaum noch vorhanden. Dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, ist also offensichtlich und spürbar! Denn die Problematik wird dadurch verschärft, dass jedes halbe Jahr immer mehr Studenten nach Aachen kommen. Allein zum Wintersemester sind 9500 neue Studierende gekommen, von denen die meisten eine neue Wohnung finden müssen. Durch die Campus-Bauprojekte werden die Zahlen von Menschen, die wegen der Rwth nach Aachen kommen in den nächsten Jahren noch enorm steigen. Bei den 3 Campus-Projekten sind insgesamt nur 800 Wohnungen eingeplant, von denen nur 100 Wohnungen öffentlich gefördert sind. Dabei sollen durch die Bauprojekte mehr als 10.000 Arbeitsplätze entstehen. Wo sollen die Menschen alle wohnen??

Einerseits macht all das es für die längerfristig ansässige Bevölkerung schwerer bedürfnisgerechten, bezahlbaren Wohnraum zu finden, andererseits ist es auch für Studenten immer schwieriger, Wohnungen zu finden. Wer sich keine teuren Mieten leisten kann, muss entweder Glück haben oder sich fragen, ob das Studium überhaupt möglich ist. Eigentlich sollte das Studierendenwerk der Aufgabe nachkommen, Wohnraum für Studierende bereitzustellen. Dieses verwaltet aktuell 24 Studierendenwohnheim u.a. die Türme mit insgesamt 4700 Wohnungen. Damit können nur 9,7 % aller Studis versorgt werden. In Münster sind es z.B. 13,2 %. Zuletzt wurde vor 2 Jahren gebaut und nichts neues ist in Planung, da das Studierendenwerk zu viel mit der Sanierung der alten Wohnheime zu tun hat. Alle neuen Studentenwohnheime wurden seid dem von Privatinvestoren gebaut und übersteigen bei Weitem die Miete des Studierendenwerks von knapp 200 Euro. Besonders die lokalen Großinvestoren wissen um diese Marktlücke und sind fleißig dabei sie zu füllen. Allein der berüchtigte Investor Norbert Hermanns mit seinem Unternehmen „Landmarken AG“ präsentiert auf der Seite des Unternehmens 6 (!) Bauprojekte die Wohnraum für Studenten beinhalten. Ebenfalls in der kürzlich besetzten Bastei will ein Privatinvestor ein Studentenwohnheim eröffnen, statt den gewünschten kulturellen Freiraum + Wohnungen. Die Investoren setzen dabei v.a. auf Ein-Zimmer-Apartments, da die Miete pro Quadratmeter am höchsten ist und am schnellsten steigt, im Vergleich zu anderen Wohnungsgrößen. Das selbstverwaltete Studierendenwohnheim wie das T39 ,in der Innenstadt, Mieten von 86 bis 153 Euro ermöglichen wird da lieber verschwiegen. Was hier passiert, ist Gentrifizierung! Damit ist Verdrängung ärmer Bevölkerungsteile gemeint, dadurch das der Lebensraum als Ware betrachtet wird und von Investoren als Möglichkeit genutzt wird Profite zu machen! Für Profite taugen einkommensschwache Menschen eben nicht, deswegen müssen sie an den Rand der Stadt ziehen, auch genannt Segregation.

Solange die Gestaltung des städtischen Raums so stark den wirtschaftlichen Interessen unterliegt, wird keine soziale Gleichheit möglich sein!

…wird die soziale Spaltung zunehmen!

…werden sich nicht ausreichend Projekte und Maßnahmen umsetzen lassen, die zu einem umweltfreundlichen Leben beitragen und dem Klimawandel entgegenwirken! etc.…

Es brodelt also in Aachen so wie in fast allen Städten weltweit auch! Das ist keine Übertreibung! Bei dieser Fülle von unterschiedlichen Problemen wirkt es fast aussichtslos, aber ohne das generelle marktwirtschaftliche Prinzip zu analysieren, lässt sich die Verschärfung der beschriebenen Probleme nicht erklären. Somit bleibt unsere grundlegende Forderung: Das Grundbedürfnis Wohnraum darf keine Ware sein! Der Wohnungsmarkt gehört vergesellschaftet!

Diese Forderungen bleiben bei der jetzigen Generation an Politiker_innen vergeblich und es ist fraglich ob die kommenden Generationen zu den notwendigen Maßnahmen bereit sind. Umso wichtiger ist der Widerstand aus der Bevölkerung! In Berlin wurde mit dem Mietendeckel bewiesen, dass Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit auf verschiedenen Ebenen, die Politik dazu bringen kann, einschneidendere Maßnahmen zu ergreifen. Die unzähligen Hausprojekte, Wohngemeinschaften und Bündnisse, die sich bis zu diesem Erfolg vernetzt haben sind das eigentlich beachtliche dabei, denn sie zeigen das die organisatorischen Ideen funktionieren und im Alltag sogar behilflich sein können!

Von einer vergleichbaren Vielfalt an widerständigen Projekten lässt sich nur Träumen in Aachen. Dafür fehlt bisher die Vernetzung und genügend Menschen, die mitmachen! Nur die Menschen der Initiative Luisenhöfe wehren sich gegen ein Neubauprojekt das Gentrifizierung, Umweltbelastung und den Verlust an Lebensqualität mit sich bringen würde. Um auch in Aachen eine Kultur zu etablieren, die die Stadtentwicklung selber in die Hand nimmt, rufen wir dazu auf, die Menschen zu unterstützen die sich bereits gegen die Träume der Investoren wehren!

Informiert euch! Werdet politisch aktiv und organisiert euch um eurer Stimme Gehör zu verschaffen! Vernetzt euch mit eurer Nachbarschaft, wenn ihr selber Probleme habt z.B. wenn ihr durch Mietsteigerung verdrängt werden sollt und kommt bei unseren Treffen vorbei, wenn ihr dabei Unterstützung braucht oder mitmachen wollt!

Die Stadt sollte für ALLE sein! Für das Recht auf Stadt!!!

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