Redebeitrag am 21.06.2020 bei FridaysForFuture

Erstmal herzlichen Dank an die Organisator*innen, dass ich hier heute sprechen können. Wir, also Recht auf Stadt Aachen sind eine Initiative, die sich damit beschäftigt, wie die Bevölkerung zu ihrem Recht kommt, ihren Lebensraum, also die Stadt, gemeinschaftlich/ solidarisch gestalten zu können.  Die Bedürfnisse der Bevölkerung sollten unserer Meinung nach, an erster Stelle stehen, nicht die Profite von Unternehmen. Leider ist da heute noch nicht so!

Umso wichtiger ist aus unserer Sicht wenn die Bevölkerung ihre Meinung äußert, ihre Rechte einfordert und sich für eine bessere Zukunft einsetzt!

Umso mehr haben wir uns gefreut als wir genau das, gemeinsam mit 40. Tausend anderen vor einem Jahr tun konnten!

Gemeinsam konnten wir ein historisches Zeichen setzen, dafür, dass alles Mögliche getan werden muss, um die Umwelt und das Klima zu schützen!

Aber was hat sich getan? Ja, seit wir gemeinsam das erste Mal auf dem Markt standen sind wir  in der Diskussion um Klimaschutz ein paar Schritte weiter. Aber reicht es aus? Wir alle wissen: das tut es nicht! Sonst würden wir heute hier nicht stehen!

Stellt sich also die Frage: Was tun? Immer weiter versuchen Druck auf Parteien auszuüben? Vielleicht, aber der Aufwand ist sehr hoch und die Ergebnisse sehr klein. Oder Darauf warten, dass Unternehmen in grünes Wirtschaftswachstum investieren? Die Trigger Punkte des Klima Wandels, scheinen viel zu nah um noch lange zu warten ohne sich überhaupt Ergebnissen sicher sein zu können. Also sind beide Möglichkeiten nicht sehr überzeugend, wenn wir mal ehrlich sind!

Nochmal: was tun?

Sollen wir alle auf unseren eigenen Konsum achten, um die Umwelt nicht so stark zu belasten? Verzichten während toleriert wird, dass die Wirtschaft einfach so weiter macht? In einigen Ländern beginnt der Konsum nach unserem Maßstab erst. Wenn wir über eine tasächliche Abschwächung des Klimawandels  reden, ist dieser Ansatz zum Scheitern verdammt. Trotzdem ist der Ansatz wichtig, da er hier, in der Bevölkerung zu einem Umdenken beiträgt.

Denn darum wird es im Endeffekt gehen: Darum, dass die Bevölkerung umdenkt und ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt! Darum, dass wir uns nicht mehr auf irgendwelche Vertreter*innen in der Politik verlassen!

Stellt euch mal vor, was dann alles möglich wäre! Im Kleinen geben uns Projekte wie die solidarische Landwirtschaft, FootKoops oder Gemeinschaftsgärten wie das Hirschgrün eine Vorahnung! Eine Vorahnung, was alles an Klimaschutz möglich ist, wenn Menschen erstmal gemeinsam daran arbeiten! Eine Vorahnung wie die Bevölkerung einer Stadt, eine solidarische Beziehung zum Umland aufbauen könnte. Aber wir müssen auch groß denken! Was ist wenn eine ganze Nachbarschaft die 5 Supermärkte im Viertel boykottiert und anstelle dessen zur Versorgung gemeinschaftlich an Projekten wie den gerade Genannten arbeitet? Das gäbe der Bevölkerung ganz neue Möglichkeiten, über die Nutzung und gerechte Verteilung von Ressourcen zu reden. Dabei wäre die Möglichkeit, dass so viel Solidarität entsteht, dass nicht nur das Klima geschützt, sondern der Alltag jeder und jedes einzelnen erleichtert werden könnte. Wir wissen alle wie viel Lebensqualität allein eine gute Nachbarschaft mit sich bringt.

Der Ansatz in der Nachbarschaft sich zu vernetzen und gemeinsam zu handeln ist auch bei Problemen mit Mieterhöhung oder Verdrängung der aussichtsreichste. Auch größer gedacht, bei Strategien gegen Gentrifizierung in einem ganzen Viertel!

Aber aus unserer Sicht ist es auch der aussichtsreichste Ansatz, um in einer Stadt von Forderungen zur Praxis in Sachen Klimaschutz zu kommen!

Ja, lasst uns weiter für mehr Klimagerechtigkeit auf die Straße gehen!

Ja! Lasst uns uns weiter global vernetzen!

Aber lasst uns auch nicht vergessen, dass wir hier in Aachen daran arbeiten müssen mehr zu werden!

Hier leben 250.000 Menschen. Wie viele davon kommen zu Demos? Wie viele sind aktiv? Noch Monate nach den ersten FFF-Demos hab ich Leute getroffen, die nix davon mitbekommen haben. Es gibt so viele Menschen, die kaum mitbekommen, was alle so in Aachen passiert, weil es sie nicht erreicht oder sie denken, dass Forderungen an die Politik überflüssig sind, da am Ende eh das Geld regiert!

Um das überwinden, könnten wir es mit alter Gewerkschaftspraxis versuchen: 1 zu 1 Gespräche als erster Schritt zur Organisation in der Gewerkschaft. In unserem Fall in der Nachbarschaft.

 Wir,bei Recht auf Stadt, erleben nämlich viele Menschen, die an konkreten Projekten, gerade in ihrer Nachbarschaft, großes Interesse haben! Gerade wenn die Aussicht besteht, dass man nicht nur aufgefordert ist Solidarität zu zeigen, sondern man auch selbst Solidarität gezeigt bekommt!

Wenn es dazu kommt, dass man was gemeinsam macht, dann lassen sich auch einfacher Infos verbreiten oder über größere Ideen und Forderungen reden!

Deswegen rufen wir euch dazu auf, euch stärker in eurer Nachbarschaft zu vernetzen! Werft Flyer ein, sprecht Nachbar*innen an,  zeigt euch solidarisch, diskutiert, Sucht euch motivierte Leute, überlegt euch eine Strategie, und fangt an! Natürlich: Es kann nichts erzwungen werden, aber ein Versuch kostet nichts und wenn es klappt, wären die Aussichten groß! Wenn ihr Unterstützung dabei braucht: braucht meldet euch bei uns!

In diesem Sinne!

Für eine solidarische Stadt!

Wir denken, dieses Umdenken ist notwendig für den nächsten Schritt: unsere Versorgung und die ganzen globalen Netzwerke, die die Versorgung ermöglichen, solidarisch zu gestalten!

So, dass alle weltweit gleichermaßen profitieren die die mehr oder zu viel haben, teilen und das Klima wird geschützt. Denn, wenn man es genau nimmt,

Also nicht so, dass für einige Profit entsteht, während die Mehrheit der Menschen und die Umwelt ausgebeutet werden! Es sollte so sein, dass alle zu gleichen Teilen profitieren!  Die, die mehr haben würden teilen! Für uns ist in dieser Vorstellung von Solidarität ist Klimaschutz von enormer Wichtigkeit, denn wer sich für das Klima einsetzt, setzt sich auch für das Wohlergehen der globalen Bevölkerung ein.  Also das Wohlergehen all seiner Mitmenschen!

 Na ja, schön wärs!  Alle die mit Vorschlägen, die Wirtschaft so stark umzugestalten, dass sie dieser Solidarität entsprechen würde, werden höchstens müde belächelt! Solche Ideen lässt die Konkurrenz und der kapitalistische Wachstumszwang nicht zu! Aber auch in der Bevölkerung gibt es überhaupt keinen Rückhalt für diese Ideen!

selber zu gestalten!

Wir denken, dass die Antwort in gewisser Weise auch in der Forderung nach dem Recht auf Stadt enthalten ist. Denn wenn wir überlegen, wie Menschen zu ihrem Recht auf Mitgestaltung kommen, geht das nur gemeinsam. Gegen einen miesen Vermieter oder Vermieterin kannst du dich noch mit einem Anwalt wehren, Wie bei Einflussnahme auf Parteien ist der Aufwand sehr hoch und das Ergebnis liegt nicht in deiner Hand. Das kann ganz anders laufen, wenn sich alle die im Haus wohnen vernetzen und gemeinsam eine Strategie überlegen. Das beweisen unzählige Beispiele! Genauso läuft es bei nachbarschaftlichen Projekten. Es funktioniert nur, wenn die Anwohner*innen sich kennen lernen und solidarisch zusammenarbeiten.

An dieser Stelle würden wir gerne auf einen Ansatz aufmerksam machen, der aus Strategien gegen Verdrängung druch steigende Mieten stammt.

Dafür sind hohe Mieten bzw. Verdrängung oder die vereinzelte Lebensweise im Moment, das größte Problem. Aber da wir gestern eine Kundgebung hatten, hoffen wir dazu erstmal alles gesagt zu haben. Wir wollen heute auch mal über das Klima reden.

Deswegen beschäftigen wir uns natürlich auch mit der Stadt selber. Wieso leben wir hier wie wir leben? Warum hat sich die Stadt so entwickelt? Welche Faktoren waren dafür wichtig? Welche sozialen Folgen hat das Städtewachstum? Und welche Folgen für die Umwelt?

Dabei ist uns besonders aufgefallen, dass, die Städte weltweit parallel zur Enstehung unseres jetzigen Wirtschaftssystems  gewachsen sind, dem Kapitalismus. Mit der komplett vernetzten, digitalisierten, Just-in-Time Wirtschaft sind auch Städte entstanden, von nie gedachtem Ausmaß. 38 Millionen Menschen in nur einer Stadt, Tokyo. 

Wir alle kennen die Grafiken zum Klimawandel. Es ist klar, dass seit der Industrialisierung die Umweltzerstörung und Klimabelastung ständig zugenommen. Es kann ja auch nicht anders sein, solange die Unternehmen nur überleben, wenn sie wachsen.

Die größten Hürden um zu diesem Recht zu kommen sind im Moment leider sehr grundsätzliche. Durch die immer stärker steigenden Mieten haben viele Menschen nicht mal mehr Zugang zu bezahlbarem Wohnraum der ihren Bedürfnissen entspricht. Bei dem Stress den eine unsichere Wohnungssituation mit sich bringt, wirst du kaum noch Zeit und Kraft haben  an Projekten in der Nachbarschaft teilzunehmen. Die steigenden Mieten entstehen v.a. durch die kapitalistische Logik von Immobilienunternehmen, also Profit zu machen wo es nur geht. Dass die Politik die immer steigenden Mieten zulässt oder teilweise mitanstößt, sagt natürlich viel darüber aus wie sehr wir uns auf Parteien verlassen können. Andererseits liegt es auch daran, dass die Bedürfnisse von der Bevölkerung viel zu selten eingefordert werden. Viel zu selten wird sich gegen Mieterhöhung gewährt.

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